Ortsunabhängig arbeiten bei GetResponse

Aleksandra Korczyńska und Lisa Kubatzki vom remote-first Untenehmen GetResponse geben im Interview einen tollen Einblick hinter die Kulissen und erklären, wie die weltweite asynchrone Arbeit bei ihnen funktioniert.

GetRemote Interview mit GetResponse

GetResponse ist eine umfassende Plattform für Marketing Automation, die Ihnen hilft, Inhalte zu erstellen, Verkäufe anzukurbeln und die Besucherzahlen Ihres Unternehmens online zu erhöhen. Mit integriertem E-Mail Marketing, Autorespondern und Landing Pages können Sie wichtige Aufgaben automatisieren und effektive Marketingkampagnen starten. Erweiterte Analysefunktionen erleichtern die Verfolgung von Konversionen, Leads und ROI, und Sie erfahren, was sich Ihre Kunden wünschen. Anpassbare Vorlagenszenarien nehmen Ihnen die Arbeit ab – ohne erforderliche Programmierkenntnisse.

Arbeiten Sie, wo immer Sie wollen. Wahrhaftig. Wo immer Sie wollen – auf der Couch, im Café, am Strand, im Coworking Space. Wir bieten Ihnen die für Sie passenden Vorteile der Fernarbeit, wir synchronisieren uns über Zeitzonen hinweg, passen unsere Arbeitsabläufe so an, dass jeder mitmachen kann.

 

Steckbrief

  • Unternehmen: GetResponse
  • Mitarbeiterzahl: 412
  • Modell: Remote first
  • Interviewpartnerinnen: Aleksandra Korczyńska, Marketing Director & Lisa Kubatzki, SEO Content Manager DACH

 

Wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Aleksandra: Bei GetResponse arbeiten wir in einem remote-first Modell. Das bedeutet im Grunde asynchrones Arbeiten von wo auch immer man möchte.

Du bist Meister deines Tages und deines Kalenders. Willst du Klavierunterricht nehmen oder um 11 Uhr morgens in Fitnessstudio gehen, kannst du das tun! Deine Hauptaufgabe ist es, Ergebnisse zu liefern und exzellent zu kommunizieren, da Remote Work eben noch mehr Kommunikationsfähigkeit verlangt, um zu funktionieren.

Mit Mitarbeitenden von überall auf der Welt gehen wir in der Regel sicher, dass die wichtigen wöchentlichen Calls gegen 2 Uhr nachmittags CET angelegt sind. Diese Zeit funktioniert gut für Europa, die USA und Mitarbeitende aus Asien. Da wir asynchron arbeiten, sind wir ständig dabei, unsere Dokumentation zu verbessern und die Möglichkeiten von Cloud Software Solutions für Projektplanung, Reporting und Integrationen voll und ganz auszuschöpfen.

Allerdings ist die menschliche Komponente ebenfalls bedeutend für uns. Deshalb organisieren wir in der Regel zwei Mal im Jahr Offsite Integrationstreffen für alle Mitarbeitenden.

Lisa: In der Regel ist es so, dass jedes Team für sich selbst festlegen kann, wann Meetings stattfinden, zu denen man (außer in Ausnahmefällen) online sein sollte. Außerhalb dieser Meetingzeiten sind wir allerdings völlig frei zu entscheiden, wann wir arbeiten.

Das ist super für Frühaufsteher und Nachteulen und auch dafür, eine gesunde Balance zu finden zwischen privatem Alltag und Arbeit. GetResponse achtet sehr auf die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden. Durch das orts- und zeitunabhängige Arbeiten haben wir genug Zeit für Hobbys und einen mentalen Ausgleich.

 

Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Lisa: Die Hauptkommunikation zwischen Team Mitgliedern und anderen Mitarbeitenden findet über Slack oder Teams statt. Für die Projektkoordination hingegen nutzen wir hauptsächlich JIRA, Confluence oder Asana.

Da GetResponse eine lebhafte Feedback- und Persönlichkeitsentwicklung am Herzen liegt, nutzen wir Culture Amp für z.B. 1on1s, öffentliches Lob oder persönliche Zielsetzung.

 

Warum hast du dich dafür entschieden, mit deinem Team ortsunabhängig zu arbeiten?

Aleksandra: Weltweit sind wir seit kurzem mit der großen Resignation konfrontiert. Da uns die besten Talente fehlten, wussten wir, dass die einzige Möglichkeit, A-Player einzustellen und zu halten, darin besteht, ein remote-first Unternehmen zu werden. Aber nicht nur der Aspekt der Einstellung und der Mitarbeiter war hier entscheidend.

Während der Pandemie haben wir auch festgestellt, dass das ortsunabhängige Arbeiten die Abläufe, die Art und Weise, wie wir Projekte durchführen, und die Effizienz des Teams verbessert. Zurzeit wollen über 95 % unserer Mitarbeiter weiterhin remote arbeiten. Wir sehen viele Beispiele von Mitarbeitern, die Workations machen, und wir stellen allgemein fest, dass sich die Work-Life-Balance deutlich verbessert hat.

Lisa: Ich selbst habe entschieden, Teil eines remote Teams zu werden, da das dauerhafte Arbeiten in einem Großraumbüro in der Vergangenheit ziemlich an meinem Nervenkostüm gezerrt hat. Ich wohne in Berlin und da hat man schon gerne Mal einen täglichen Fahrtweg von 2 Stunden hin und zurück, da bleibt nicht mehr viel Zeit für Familie, Hobbys, Sport oder Freunde.

Als eher introvertierte Person genieße ich die Flexibilität, die mir das remote Arbeiten bietet. So kann ich die Zeit bei Offline Treffen mit meinem Team außerdem auch viel mehr genießen und habe deutlich mehr Energie für den sozialen Aspekt, wenn wir uns sehen.

Und dass ich meinen Hund nicht zuhause allein lassen muss, hat zugegebenermaßen auch seinen Teil dazu beigetragen, dass für mich nur noch remote infrage kommt 😉

 

Arbeitet ihr (nur) ortsunabhängig oder auch zeitunabhängig?

Lisa: Da die Team-Mitglieder aus vielen verschiedenen Orten der Welt zusammenarbeiten, arbeiten wir größtenteils auch zeitunabhängig. Wir haben ein paar wöchentliche Meetings, zu denen wir zusammenkommen, darunter auch ein Social Chat Meeting, aber ansonsten sind wir vollkommen frei, unseren Arbeitsort und die Arbeitszeit zu bestimmen.

 

Worauf sollten Unternehmen besonders achten, die Home Office und remote work gerade neu etablieren?

Aleksandra: Man muss die richtigen Prozesse und Tools zur Hand haben. Mit Tools meine ich vor allem Software, wie Videokonferenzsoftware, Brainstorming-Software wie Miro, Projektmanagement-Software wie Asana, JIRA, Roadmunk und Dokumentationssoftware wie Notion. Sie müssen dafür sorgen, dass es ein Team oder zumindest eine Person gibt, die für diese Prozesse verantwortlich ist und dafür sorgt, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Darüber hinaus müssen Sie Ihre Benefits, Einstellungsprozesse und Kommunikationsprozesse umgestalten und sich überlegen, wie Sie die Mitarbeiter einbinden und integrieren können. Die Planung einer externen Integrationsparty für ein Team von internationalen Mitarbeitern ist eine ziemliche Herausforderung!

Und nicht zuletzt brauchen Sie die richtigen Fähigkeiten und Schulungen. Ich würde empfehlen, entweder an einem organisierten Schulungsprogramm teilzunehmen oder Berater zu engagieren, die Ihr Führungsteam schulen können.

 

Funktioniert erfolgreiches Führen auf räumliche Distanz anders als im Büro?

Aleksandra: Ja, ich kenne einige Führungskräfte, die in der Offline-„Office“-Umgebung sehr effektiv waren, aber völlig versagten, sobald sie Remote-Manager wurden.

Das ortsunabhängige Arbeiten erfordert noch bessere Kommunikationsfähigkeiten. Es ist schwieriger, in den Gesichtern der Menschen zu lesen, und die Beziehung wird distanzierter. Auch lockere Gespräche sind komplizierter zu führen, so dass man sich besser vorbereiten muss.

Andererseits gibt es auch einige Vorteile: Es ist einfacher, alle Beteiligten auf einen Nenner zu bringen, eine Fragerunde durchzuführen und auf organisierte Weise Feedback zu erhalten. Außerdem bringt remote Work meiner Meinung nach mehr Ausgewogenheit in die Führung, da sie die Bedeutung der Egozentrik verringert und es den anderen, weniger ausdrucksstarken Führungskräften ermöglicht, sich abzuheben.

 

Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften?

Aleksandra: Die größte Herausforderung für Remote-Teams besteht darin, dauerhafte Bindungen und Beziehungen zwischen den Mitarbeitern aufzubauen, während sie ortsunabhängig und asynchron arbeiten. Ich stelle fest, dass CEOs sehr oft das Modell „remote-first“ aufgeben, weil sie „eine florierende Arbeitskultur entwickeln wollen“. Meiner Meinung nach kann diese Herausforderung mit den richtigen Prozessen und regelmäßig organisierten Integrationstreffen leicht überwunden werden.

Man muss sich nicht jeden Tag persönlich treffen, um dauerhafte und gedeihliche Beziehungen zu haben. Diese Bindungen werden durch Vertrauen, eine Kultur der Wertschätzung und des Feierns sowie durch die Förderung der Mitarbeiterentwicklung aufgebaut.

Sie können dies auch durch die Unterstützung von Arbeitsplätzen, die Erstattung von WLAN-Gebühren, die Gewährung von Reiseversicherungen oder sogar durch die Anmietung von Villen in Südeuropa für Mitarbeiter, die dort kostenlos arbeiten können, unterstützen! Das würde die Verbundenheit der Mitarbeiter mit Sicherheit stärker machen, als wenn sie sich in einem Büro sehen!

Lisa: Auch ich höre oft das Vorurteil, dass Team-Interaktion zwischen remote Teams viel unpersönlicher und kälter ist. Das kann ich ganz und gar widerlegen. Natürlich kann es schwer sein, online eine Konversation zu beginnen, doch es zwingt uns auch, kreativ zu werden und neue, kreative Wege zu suchen, einander kennenzulernen.

Dadurch, dass wir Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen haben, habe ich das Gefühl, dass wir uns gegenseitig viel offener begegnen und einfacher ins Gespräch kommen. Es kommen viele verschiedene Persönlichkeiten zusammen und die viertel- bis halbjährlichen Treffen, bei denen man sich dann endlich sieht und Gespräche weiterführen kann, die man online bereits begonnen hat, sind ein richtiges Highlight für alle.

 

Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten?

Aleksandra:

  1. Hiring. Wenn Sie Top-Spieler der Branche einstellen und Ihre Teams vergrößern wollen, haben Sie keine andere Wahl. Remote-working ist heute in vielen Ländern ein Muss und ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
  2. Mitarbeiterbindung. Auch hier stellt sich die Frage, warum Mitarbeiter bei Ihnen bleiben sollten, wenn sie für ein anderes Unternehmen arbeiten können, und zwar komplett remote? Außerdem sehen wir, dass die Mitarbeitenden durch das ortsunabhängige Arbeiten selbst über ihren Tag und ihren Kalender bestimmen können, was die Work-Life-Balance verbessert. Das bedeutet, dass Remote-Mitarbeiter insgesamt zufriedener sind als Büroangestellte.
  3. Bessere Arbeitseffizienz. Mit den richtigen Prozessen und Tools können die Mitarbeitenden mehr Zeit mit der Arbeit verbringen und müssen weniger Zeit für Meetings, persönliche Gespräche, Pendeln oder unproduktive Zeit im Büro aufwenden. Fernarbeit sollte auch bedeuten, dass asynchron gearbeitet wird, was die Anzahl der Besprechungen minimiert, die normalerweise zu 80% überflüssig sind.

 

Welchen Tipp hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Aleksandra: Die meisten Remote-First-Unternehmen bieten nur Festanstellungen an. Ich empfehle, auf Portalen wie weworkremotely.com oder angel.co nach Jobs zu suchen, der Reforge-Community beizutreten und immer zuerst auf der Karriereseite des Unternehmens zu prüfen, ob es die Remote-First-Kultur unterstützt. Sie werden z. B. in der Liste der Zusatzleistungen schnell Standards wie „Remote-Fonds“ oder „Erstattung des Home Office“ finden, die darauf hindeuten, dass dieses Unternehmen eindeutig Remote-Arbeit anbietet.

Lisa: Ich empfehle, besonders darauf zu achten, inwiefern sich der zukünftige Arbeitgeber um seine Angestellten kümmert. Das heißt, nach Benefits zu fragen, nach Weiterbildungsmöglichkeiten und psychischer Unterstützung. Denn auch das ist für viele im Homeoffice sehr wichtig.

Wichtig ist auch, dass die Unternehmenskultur zu Ihnen passt. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch nach der Feedbackkultur und danach, wie die remote Teams den sozialen Aspekt auf Distanz meistern.

Über mich

Ich bin Teresa und ich helfe Unternehmen Home-Office und remote work erfolgreich einzuführen. In meinem Blog findest du Portraits von Unternehmen, die bereits erfolgreich remote arbeiten und ich teile meine Herangehensweise an Remote Work und Leadership. Viel Spass beim Lesen!

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