Ortsunabhängig arbeiten bei eyeo

Mit Produkten wie Adblock Plus und Acceptable Ads schafft eyeo ein faires und offenes Web, in dem der Nutzer die Kontrolle hat. Im GetRemote Interview gibt uns Jutta Horstmann, Managing Director einen Einblick in die Arbeitsweise bei eyeo.

GetRemote Interview mit eyeo

Was wir tun.

Wir bauen Produkte, die zur Entwicklung und Aufrechterhaltung eines fairen und offenen Web beitragen. Wir geben den Benutzern die Kontrolle und bieten gleichzeitig benutzerfreundliche Einnahmeoptionen.

 

Gemeinsam das Web besser machen.

Die Benutzer verdienen die Kontrolle über ihr Web-Erlebnis. Verleger verdienen es, ihre Inhalte zu monetarisieren. Unsere Nutzer, Partner und Mitarbeiter arbeiten zusammen, um respektvolle, benutzerfreundliche und nachhaltige Lösungen für die Zukunft des Web zu finden.

 

Steckbrief

  • Unternehmen: eyeo GmbH
  • Mitarbeiteranzahl: ca. 200
  • Modell: Full Remote
  • Interviewpartner: Jutta Horstmann, Managing Director

 

1. Wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Unser flexibles Arbeitsmodell sieht so aus, dass jede*r Mitarbeiter*in selbst bestimmt wo er oder sie arbeiten möchte und wie das persönliche Arbeitszeitmodell aussieht. Es gibt Mitarbeiter*innen, die Vollzeit von zu Hause aus arbeiten und solche, die überwiegend aus den Büros arbeiten oder sich jede Woche von einem anderen Ort irgendwo auf der Welt einloggen.

 

2. Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Wir verwenden BlueJeans für Besprechungen, Jira für das Tracking unserer Arbeit und die Kollaboration im Team und Confluence als Intranet und zum Wissensaustausch. Mattermost als Chat Tool, Mural für digitales Whiteboarding, Zusammenarbeit und Workshops und die Google Suite für den Austausch und die Arbeit an Dokumenten. Darüber hinaus sind sämtliche Prozesse digitalisiert: Recruiting, Personalverwaltung, Buchhaltung, Reisebuchung und die Unterzeichnung von Dokumenten.

 

3. Warum hast du dich dafür entschieden, mit deinem Team ortsunabhängig zu arbeiten?

eyeo hat seine Wurzeln im Open-Source-Projekt Adblock Plus. Da Open Source Softwareprojekte grundsätzlich immer von weltweit verteilten Individuen remote vorangetrieben werden, hat sich dieser Ansatz von Anfang an tief in der DNA unserer Firma verankert. Während wir als Firma immer weiter gewachsen sind, haben wir weitere Vorteile dieses Modells für uns entdeckt: Denn so können wir die besten Talente anwerben und eine hohe Diversität in der Belegschaft sicherstellen.

Nicht zuletzt schätzen unsere Mitarbeiter*innen die Freiheit, die wir ihnen bieten und wir sind damit als Arbeitgeber definitiv attraktiver. Das wirkt sich auch auf die Fluktuation aus, die bei uns deutlich unter dem Branchenschnitt liegt.

 

4. Arbeitet ihr (nur) ortsunabhängig oder auch zeitunabhängig?

Das eine macht ohne das andere in unserem Fall wenig Sinn. Grundsätzlich entscheiden die Mitarbeiter*innen in Absprache mit ihren Kolleg*innen wann und wo sie arbeiten, die Verfügbarkeit muss im Team kommuniziert und den Bedarfen des Teams in Einklang gebracht werden.

Die Erreichbarkeit muss natürlich auch im Unternehmen transparent gemacht werden, zum Beispiel im persönlichen Kalender und im Intranet auf der jeweiligen Teampage. Unternehmensweite Termine finden bei uns am Nachmittag statt, damit die Kolleg*innen in den USA und Lateinamerika auch teilnehmen können.

 

5. Welche Startschwierigkeiten hattest du mit der Einführung des flexiblen Arbeitsmodells? Was ist dein größtes Learning aus der Umstellungsphase?

Eine Umstellungsphase gab es bei uns überhaupt nicht, da es die Option vollständig remote zu arbeiten schon von Anfang an gab. Das macht natürlich einiges einfacher, wenn von Beginn an die entsprechende Technik und Unternehmenskultur vorhanden ist. Ich denke, dass es aber auch für klassische Unternehmen Sinn macht diesen Schritt zu gehen, die Vorteile liegen auf der Hand.

 

6. Funktioniert erfolgreiches Führen auf räumliche Distanz anders als im Büro?

In vielen Aspekten unterscheidet sich das weniger als man denkt, denn auch ein Unternehmen, das remote arbeitet, besteht letztendlich aus Menschen, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Vertrauen spielt auf die räumliche Distanz eine noch größere Rolle und das gilt nicht nur für die Arbeitszeit. Als Führungskraft muss ich auch auf die Selbständigkeit und Zuverlässigkeit der Mitarbeiter*innen vertrauen, sonst wird Remote Work nicht funktionieren.

Kommunikation ist außerdem extrem wichtig: Es ist zentral gut, viel, und respektvoll miteinander zu kommunizieren – in jedem Umfeld, aber bei Remote Work vervielfacht sich der Bedarf daran.

Im Home Office ist es außerdem noch wichtiger die mentale Gesundheit aller Teammitglieder im Blick zu behalten. eyeo Mitarbeiter*innen haben zum Beispiel die Möglichkeit kostenlos eine psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen und es muss regelmäßig Gelegenheiten zum Austausch in Person geben. Wir ermöglichen dies in Form von jährlichen Firmen-Offsites und sogenannten “Team Days”, die jedes Team dreimal pro Jahr an einem Ort seiner Wahl zusammen durchführen kann.

 

7. Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften?

Die Mitarbeiter*innen in Sichtweite zu haben, gibt vielen Führungskräften ein, wie ich finde, trügerisches Gefühl der Kontrolle. Mitarbeiter*innen, die demotiviert sind, werden im Büro genauso wie zu Hause wenig produktiv arbeiten. Die Konzentration auf Präsenz vor Ort und das “Absitzen” eines festgelegten Stundenkontingents sind Glaubenssätze in der deutschen Arbeitskultur von denen wir uns lösen sollten.

Sich für die richtigen Mitarbeiter*innen zu entscheiden ist der erste wichtige Schritt, dann gilt es diesen im zweiten Schritt ein motivierendes Arbeitsumfeld zu bieten. Leistung beurteilen wir natürlich auch, das bezieht sich aber auf die individuell vereinbarten Ziele. Wenn wir merken, dass diese nicht erfüllt werden versuchen wir herauszufinden woran das liegt und die Probleme zu beheben.

 

8. Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten?

Ich denke die wichtigsten Gründe sind weniger Fluktuation und Vorteile beim Recruiting. Wenn ich schneller qualifizierte Mitarbeiter*innen finde und diese auch länger im Unternehmen bleiben, spare ich eine Menge Geld bei der Suche und Einarbeitung.

Außerdem der Aspekt der Nachhaltigkeit: Kleinere Büroflächen und der wegfallende Arbeitsweg sparen nicht nur Zeit und Kosten, sondern wirken sich auch positiv auf die CO2 Bilanz aus.

Höhere Produktivität und zufriedenere Mitarbeiter*innen sind natürlich auch ein wichtiger Vorteil und die höhere Diversität. Diverse Teams in denen Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und Hintergründen zusammenarbeiten sind unglaublich kreativ und bringen viele verschiedene Sichtweisen mit.

 

9. Welchen Tip hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Wie jede Karriereentscheidung lohnt es sich, auch diese gut zu planen. Wie wichtig ist mir der tägliche Umgang mit Kolleg*innen im persönlichen Austausch? Wie gut kann ich mich strukturieren und fokussieren, wenn ich ganz allein arbeite? Liegt mir das notwendige Extra an – vor allem schriftlicher – Kommunikation?

Um diese Fragen zu beantworten, bietet es sich an, zunächst das remote Arbeiten zeitbegrenzt auszuprobieren. Durch die aktuelle Corona-Pandemie haben viele – wenn auch unfreiwillig – im Moment die Gelegenheit dazu.

Über mich

Ich bin Teresa und ich helfe Unternehmen Home-Office und remote work erfolgreich einzuführen. In meinem Blog findest du Portraits von Unternehmen, die bereits erfolgreich remote arbeiten und ich teile meine Herangehensweise an Remote Work und Leadership. Viel Spass beim Lesen!

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