Praktikum im Home-Office – Wie geht das?

Die RALF HAASE Group gehört mit zu den wenigen Firmen, die während Corona auch weiterhin Praktika anbieten - und zwar ortsunabhängig. Wie das funktioniert, verraten die Praktikantin Clara Bergrath und der Geschäftsführer Ralf Haase.

GetRemote Interview RALF HAASE Group

Der Leitsatz „Unternehmenskultur ist unsere Leidenschaft“ wird bei der RALF HAASE Group gelebt. Talente zu finden und zu fördern ist nicht nur ein Angebot der Personalberatung, sondern wird auch im eigenen Haus von Anfang an praktiziert. So gehört das Unternehmen mit zu den wenigen Firmen, die während Corona auch weiterhin Praktika anbieten – und zwar ortsunabhängig.

Interview mit Clara Bergrath, Praktikantin

  • 22 Jahre alt
  • Studentin im 3. Jahr an der Maastricht University, International Business

 

1. Warum hast Du dich für ein remote Praktikum entschieden?

Ich habe mich im April/Mai um Praktika beworben. Das war genau in der Zeit, als Corona sehr hohe Fallzahlen hatte und Unternehmen wie auch jeder öffentliche Bereich in Deutschland umdenken musste. Das Praktikum bei Ralf habe ich durch einen Bekannten vermittelt bekommen, der geschäftlich bei Ralf im Unternehmen involviert ist.

Als ich erfahren habe, dass das Praktikum bei Ralf komplett digital stattfinden würde, war das für mich gar nicht so eine große Überraschung. Viele Unternehmen und andere Institutionen, unter anderem die Universität in Maastricht, mussten Corona bedingt online den Alltag fortführen. Vor dem Start von meinem Praktikum habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht, dass auch digital der Unterricht und die Lerninhalte auf sehr hohem Niveau übermittelt werden können.

Die Uni hat uns sehr schnell beigebracht, wie man sich im online Meeting verhält und mit welchen Tipps und Tricks ein Meeting effizient stattfindet – Ich hatte 4 Mal die Woche online Unterricht mit jeweils 15 wissbegierigen und austauschfreudigen Studenten! Mit dieser vorausgegangenen Erfahrung war ich neugierig zu lernen, ob auch am Arbeitsplatz digital auf so hohem Niveau gearbeitet wird und überhaupt sehr glücklich, einen Praktikumsplatz bekommen zu haben, da dies in Zeiten von Corona nicht selbstverständlich ist.

 

2. Was sind die größten Herausforderungen bei einem ortsunabhängigen Praktikum und wie löst du sie?

Ich hatte großes Glück, dass Ralf und ich uns beim ersten Treffen persönlich kennen gelernt haben. Ich finde, wenn man mit jemanden nur über den Computer kommuniziert, ist es schwieriger, eine Person charakterlich richtig wahrzunehmen und kennen zu lernen. Zudem finde ich es leichter, in ein
digitales Unternehmen einzusteigen, welches nicht so groß ist.

Ralf und Ibrar, Senior Projektmanager, sind von Anfang an total offen auf mich zugegangen, haben mich schnell eingearbeitet und in viele Schritte involviert. Ich hatte von Beginn an meine festen Ansprechpartner und habe mich sehr schnell sicher und wohl genug gefühlt, mich bei jeder Frage oder Anmerkung bei einem von beiden zu melden. In einem sehr großen Unternehmen stelle ich es mir schwerer vor, Fuß zu fassen und auf sich aufmerksam zu machen, da die Pause in der Cafeteria wegfällt und du den Menschen nie begegnest um sich einfach mal kurzfristig auszutauschen und sich kennen zu lernen.

Eine weitere Herausforderung ist es, dass man am Ende doch auf sich allein gestellt ist. Wir halten regelmäßig Meetings ab und ich werde in meine Aufgaben eingearbeitet, aber nach dem Meeting muss man sich viele Inhalte selber beibringen und sich mit den ganzen Tools, die man zum digitalen Arbeiten braucht, bekannt machen.

Ich sitze nicht in einem Büro, wo ich jederzeit mal schnell um Hilfe fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe oder etwas nicht funktioniert. Aber auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass dadurch viele unnötige Fragen wegfallen, da man doch selber viel schneller auf Ergebnisse und Lösungen kommt, als man denkt.

Ein anderer Aspekt ist es, dass sich Alltag und Arbeit sehr stark vermischen. Ich arbeite und lebe in meinem Zuhause und anfangs war es schwer, Alltagsaufgaben und Arbeit auseinander zu halten. Der Blick fällt schnell auf den Wäscheberg oder mir fällt auf, dass doch noch ein paar Dinge für das Abendessen fehlen. Dann darf ich nicht inmitten meiner Arbeit alles stehen und liegen lassen und anfangen Wäsche zu waschen oder einkaufen zu gehen. Das sind dann Dinge, die erledige ich, nachdem ich alles für die Arbeit fertig gemacht habe oder setzte es auf meine To-Do Liste für den nächsten Morgen.

Allgemein fällt es einem schwer, von der Arbeit abzuschalten. Man verlässt nicht das Büro und weiß, bis morgen fällt nichts mehr an. Im Home-Office muss man über den Tag erreichbar sein und es können schnell noch mal Aufgaben dazwischenkommen, wenn man eigentlich gerade Feierabend gemacht hat. Aber das sind Dinge die muss man hinnehmen, da Remote Work auch viele Vorteile mit sich bringt.

 

3. Wodurch profitierst du am meisten während des remote Praktikums?

Ein A und O für Menschen in meinem Alter ist Work-Life-Balance. Ein Begriff der in den letzten Jahren stark an Aufmerksamkeit/Wichtigkeit gewonnen hat. Wenn man Remote Work arbeitet, kann die Work-Life-Balance sehr stark davon profitieren. Ich sage bewusst “kann”, da dies nicht der Fall für alle ist und das sehr stark vom Unternehmen und der Industrie abhängig ist. In meinem Fall war ich sehr glücklich und zufrieden mit der Art und Weise meiner Arbeit.

Bis auf Meetings und feste Abgabetermine, konnte ich frei entscheiden, wann und vor allem wo ich arbeiten möchte. Ich konnte meinen Alltag sehr flexibel gestalten, was mir sehr gut an meinem Praktikum gefallen hat. Ich bin schon immer ein sehr organisierter Mensch gewesen und konnte meine Zeit zwischen Arbeit, Haushalt und Hobbys sehr gut aufteilen. Gerade die Flexibilität, nicht an einen Ort gebunden zu sein, habe ich sehr genossen.

Man braucht nur einen Laptop und Wlan und kann von überall ausarbeiten. Zum Beispiel hatte ich einen wichtigen Termin in meiner Heimatstadt, Frankfurt am Main, und diesen konnte ich ohne Probleme oder einen Freistellungsantrag wahrnehmen und dazu noch ein paar Tage bei meiner Familie verbringen. Dazu kommt, dass man ungefähr 60 min am Tag spart, die man zwischen Arbeit und Zuhause jeden Tag fahren müsste. Gerade in Berlin ein ganz großer Vorteil, wo man auch schnell mal länger als 60 min am Tag in der Bahn oder dem Auto sitzen müsste.

Ralf ist mit seinem Unternehmen ein wichtiger Vorreiter im Bereich der Digitalisierung. Durch die technischen Fortschritte und die fortlaufende Globalisierung bin ich überzeugt, dass Remote Work in ein paar Jahren ein gängiger Begriff in jedem Unternehmen sein wird. Im Laufe des Praktikums habe ich wichtige Erfahrungen gesammelt, die mir in Zukunft sehr viele Vorteile bringen werden.

 

4. Welche Tipps hast Du für junge Menschen, die auch ein remote Praktikum machen wollen?

Das Wichtigste für das remote Praktikum und Home-Office allgemein ist Organisation! Du bist Arbeitnehmer und dein eigener Manager. Am Ende zählen nur die Ergebnisse. Der Prozess, der zu den Ergebnissen führt, wird nicht so streng “überwacht”, als wenn du im Büro Tür an Tür mit deinem Chef sitzen würdest. Um gute Ergebnisse zu liefern, sind klare Tagesabläufe wichtig. Ich arbeite schon immer mit To-Do Listen. Aber gerade im remote Praktikum ist das sehr hilfreich. So habe ich immer einen Abend vorher meinen nächsten Tag geplant.

Ich finde es auch sehr wichtig, dass ich Alltagsarbeit und Büroarbeit strickt auseinanderhalte. Ich habe meine Büroarbeit konzentriert zu Ende gemacht, ohne mich abzulenken. Dafür ist es von Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, einen Arbeitsbereich einzurichten, an dem man ungestört sitzen und arbeiten kann.

Zuletzt ist eine ordentliche technische Ausstattung von Hilfe. In meinem Fall hat das sehr gut geklappt und Ralf hat mir einen Laptop mit allen wichtigen Anwendungen zur Verfügung gestellt. Ich habe eine kleine Einweisung in die Programme erhalten, aber am wichtigsten ist hier sowieso “learning by doing”. Im Notfall gibt es genug Erklärungen im Internet.

Während meines Praktikums bei Ralf habe ich sehr gute Erfahrungen mit remote work gemacht und bin der Meinung, dass remote wie auch vor Ort genau so gute Ergebnisse produziert werden können. Am Anfang ist die Situation etwas ungewohnt und es braucht etwas länger, die Menschen kennen zu lernen und ihnen zu vertrauen, aber sobald auch hier das Eis gebrochen ist und man sich in die Abläufe eingearbeitet hat, läuft der Arbeitsalltag genauso ab, wie in einem Büro. Für mich ist es total beeindruckend zu sehen, in was für einer fortschrittlichen Welt wir inzwischen leben. Die Mitarbeiter aus Ralfs Büro sind über mehrere Städte, inzwischen sogar Länder verteilt und trotzdem bilden sie eine Einheit und arbeiten auf das gleiche Ziel erfolgreich hin.

 

Interview mit Ralf Haase, Inhaber der RALF HAASE Group

 

1. Wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Wir haben schon immer mit dem Grundsatz zusammengearbeitet, dass jeder Mitarbeitende von jedem Ort der Welt arbeiten kann. Deshalb haben wir vom Gründungstag an alles technisch so eingerichtet, dass alle Daten, Programme und Anwendungen konsequent ortsunabhängig abruf- und anwendbar und auch überwiegend unabhängig vom Endgerät nutzbar sind.

Nach diesen Kriterien haben wir unsere Datenbanklösung ausgewählt, entsprechende Technik angeschafft und jeden Mitarbeiter eingearbeitet. Trotzdem war bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie unser sehr schickes Büro in Berlin-Grunewald der Dreh- und Angelpunkt unserer Zusammenarbeit und das Homeoffice noch die Ausnahme, auch wenn einige Mitarbeitende bis zu zwei Tage die Woche von zuhause aus gearbeitet haben.

Vom ersten Tag des Lockdowns an habe ich entschieden, dass ab sofort und bis auf Weiteres alle Kolleg*innen zu Hause bleiben und sich nicht dem Risiko einer Ansteckung auf dem Arbeitsweg oder im Büro aussetzen. So stand unser Büro für mehrere Wochen leer und fraß sinnlos unser hart erarbeitetes Geld auf. Auch wenn das mit einem weinenden und einem lachenden Auge zusammenhing, haben wir dann beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen und uns konsequent als 100% remote arbeitende Firma aufzustellen, den Büro-Mietvertrag zu kündigen und ohne gemeinsame Räume auszukommen.

Ganz fremd war uns das nicht – hatten wir doch einen Kollegen, der bereits seit Jahresanfang einen Telearbeitsvertrag hatte und vollständig vom 600 km entfernten Köln aus tätig war. Wie, wo und wie oft wir nun persönliche Begegnungen pflegen, müssen wir für uns noch herausarbeiten und dafür einen geeigneten Modus, der Sinn macht, finden.

 

2. Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Wir wenden überwiegend die MS Office 365-Produktfamilie an und arbeiten hierin mit Teams, Sharepoint, Outlook, Planner und Yammer. Außerdem wenden wir noch Slack für einen Teil der Kommunikation, Starhunter als cloudbasierte Datenbank und natürlich unser eigenes Tool für Jobmatching propertyhead.de an.

 

3. Warum hast du dich dafür entschieden, mit deinem Team ortsunabhängig zu arbeiten und auch remote Praktika anzubieten?

Wir haben uns als Team bereits von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, unsere zukunftsorientierte Beratungsarbeit durch eigenes Vorleben und Ausprobieren zu untermauern und das, was wir unseren Kunden raten, auch selbst anzuwenden. Als „living lab“ sozusagen. Daher hat die Entscheidung, remote zu arbeiten -und zwar zu 100%- nicht allzu lange gedauert.

 

4. Worauf sollten Unternehmen achten, die zum ersten Mal Praktikanten remote beschäftigen?

Vor allem kommt es darauf an, den Praktikant*innen Aufgaben im Zusammenhang mit der echten Wertschöpfung des Unternehmens anzuvertrauen. Darin kommt schon der wesentliche Kern zum Ausdruck: Vertrauen. Praktikant*innen sollten nicht für irgendwelche stupiden Hilfsarbeiten missbraucht werden, deren Sinn für die Wertschöpfung nicht erkennbar ist, nur weil man ihnen Firmenwissen nicht preisgeben will.

Echte Wertschätzung ihrer Arbeit und unterstützendes Feedback gehören natürlich ebenso dazu. Wichtig ist es m.E. auch, darauf zu achten, dass die Praktikant*innen deutlich erkennbar gelernt haben, selbständig zu arbeiten und sich die Lösung einer Aufgabe eigenständig zu erschließen.

 

5. Welchen Tipp hast Du für Studenten mit dem Wunsch nach einem remote Praktikum?

Sucht Euch eine Firma, die agil arbeitet! Remote und Abteilungsdenken mit Order-and-Control- Attitüde passen einfach nicht zusammen. Es mag zwar attraktiv erscheinen, bestimmte Firmennamen im CV zu haben, aber häufig hat man von dem Praktikum eher wenig Lerneffekt, außer den, wie man es nicht mehr haben möchte. Fordert ruhig einen Probearbeitstag ein – der könnte viel Frust ersparen, wenn man merkt, dass es nicht in die richtige Richtung geht. Natürlich sollte auch ein solcher Tag vergütet werden bzw. mit einer Anerkennung bedacht werden.

Über mich

Ich bin Teresa und ich helfe Unternehmen Home-Office und remote work erfolgreich einzuführen. In meinem Blog findest du Portraits von Unternehmen, die bereits erfolgreich remote arbeiten und ich teile meine Herangehensweise an Remote Work und Leadership. Viel Spass beim Lesen!

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