Ortsunabhängig arbeiten bei Inpsyde

"Ich habe schon weitaus unproduktivere vor Ort Meetings erlebt, als ein Remote Meeting je sein kann." Alexander Frison, CEO von Inpsyde, gibt im Interview einen Einblick in die remote Arbeitskultur von Deutschlands größter WordPress Agentur.

Inpsyde ist die größte deutschsprachige WordPress Agentur und arbeitet komplett ortsunabhängig. Alexander Frison, CEO von Inpsyde, gibt im Interview einen Einblick in ihre remote Arbeitskultur.

 

Steckbrief

  • Unternehmen: Inpsyde 
  • Mitarbeiterzahl: 33
  • Modell: Full remote – komplett ortsunabhängig
  • Interviewpartner: Alexander Frison, CEO

Alexander, wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Unsere Kernarbeitszeit liegt bei 10-15 Uhr, da sind die meisten Kollegen online und somit ist es am einfachsten für jeden zu kollaborieren, untereinander aber auch mit Kunden.

Die Arbeitszeit bei uns basiert auf Vertrauen und Kommunikation. In unserem Slack Channel sagt jeder Hallo oder Tschüß wenn er on- oder offline geht. Auch längere Pausen oder Abwesenheiten, um etwas zu erledigen, sind kein Problem. Man muss es im Channel nur kommunizieren, damit die Kollegen Bescheid wissen ob jemand weg ist und wann er wieder online ist.

Es gibt einige Kollegen die fangen schon um 6-7 Uhr an und machen dann auch früher Feierabend oder machen 3-4 Stunden Mittag und arbeiten bis spät in den Abend hinein. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus, ob Arbeitsbeginn, Mittag oder Feierabend, den kann jeder für sich selber entscheiden. Bei uns kommt es nicht auf die Anwesenheitsdauer an sondern auf die Resultate, die jeder erbringt.

Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Zur Kommunikation arbeiten wir mit Slack und Zoom, für Projektmanagement mit JIRA und zur Dokumentation mit Confluence. Ansonsten unter anderem mit Billomat, 1Password, CharlieHR, Codeship, Bitbucket, Hubspot, Lucidhcart, mite, Sipgate, PHPStorm.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, mit eurem Team 100% remote zu arbeiten?

Da wir als Gründer schon an komplett unterschiedlichen Orten wohnen, hat sich das bei uns so ergeben. Remote ist sozusagen in unseren Genen. 🙂

Arbeitet ihr (nur) ortsunabhängig oder auch zeitunabhängig?

Wie schon beschrieben, wir haben eine generelle Kernarbeitszeit. Wird in der Zeit nicht gearbeitet, gibt es Regeln wann und wie man es den Kollegen kommuniziert.

Welche Startschwierigkeiten hattest du mit der Einführung des flexiblen Arbeitsmodells? Was ist dein größtes Learning aus der Umstellungsphase?

Bei uns gab es keine Umstellungsphase, da wir von Anfang an flexibel waren.

Wir haben aber schnell gelernt: man muss sich schon an gewisse Regeln halten. Jeder ist für seine Arbeitszeit selber verantwortlich, da kann es schon mal im Laufe der Jahre vorkommen, dass der Ein oder Andere die Möglichkeit der Flexibilität zu sehr strapaziert hat. Nicht da zu sein, ohne sich abzumelden oder mit den anderen nicht kommunizieren wann man wieder da ist. Oder zu viele Pausen innerhalb des Arbeitstages anstatt längere Zeit fokussiert an etwas arbeiten. Solch ein Salamitag führt zur Unproduktivität.

Jeder bei uns weiß die flexible Arbeitszeit als Privileg und nicht als Recht zu schätzen. Das sollte dann auch nicht ausgenutzt werden.

Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften?

Man hört häufig, dass man Dinge doch nur vor Ort besprechen kann, dass man die Mitarbeiter nur im Griff hat, wenn man auch vor Ort da ist, ansonsten verliert man die Kontrolle usw.

Solche Aussagen kommen meist von Personen die noch nie Remote Arbeiten probiert oder je kennengelernt haben und vieles einfach auf Unwissen basiert. Oder einfach Kontrollfreaks sind, die nicht loslassen können und ihrem Team nicht einfach mal Vertrauen schenken können. Das ist natürlich schade.

Ich habe schon weitaus unproduktivere vor Ort Meetings erlebt, als ein Remote Meeting je sein kann. Erstmal in den Meetingraum, entweder nur 2 Minuten vom Büro oder längere Anreise. Käffchen und Plätzchen, Vorgeplänkel bevor alle da sind und dann reden nur 3 von 10 Leuten um was es geht und was sie zu sagen haben. Alle anderen sind nur körperlich anwesend.

Nach dem Meeting noch den Kaffee austrinken, wieder kurzer oder auch manchmal längerer privater oder beruflicher Schnack und dann wieder zurück zum Arbeitsplatz. Da in 20 Minuten Mittag ist (feste Mittagszeit), lohnt es sich nicht mehr etwas neues anzufangen… So oder so ähnlich habe ich es schon 100 Male in meinen alten Firmen oder Kunden erlebt. Überall das gleiche Muster und täglich werden so Stunden Arbeitszeit unnütz verbrannt.

Auch manche Kunden haben sich anfangs schwer getan, mit einer Firma zusammenzuarbeiten die nicht vor Ort ist. Aber zum Glück konnten wir sie anfangs durch unser Know-How überzeugen und auch später durch die jahrelange sehr gute Zusammenarbeit aus der Ferne.

Mit einigen Kunden arbeiten wir tagtäglich seit über 5 Jahren zusammen, ohne dass wir sie jemals persönlich getroffen haben. Das sind meistens Kunden aus den USA oder außerhalb Deutschlands. Kunden aus Deutschland oder Grenznah versuchen wir schon persönlich zu treffen. Ob das jetzt bei einem Kickoff-Meeting ist oder auch erst nach 1-2 Jahren Zusammenarbeit bei einem WordCamp oder anderer Gelegenheit.

Natürlich ist dabei die Kommunikation das A und O. Ob mit Kunden oder Mitarbeitern. Du siehst den Mitarbeitern nicht an, ob er gerade fokussiert an etwas arbeitet, gestresst ist, oder in einem Telefonat ist, oder schlechte oder gute Laune hat. Solch Dinge müssen zusätzlich kommuniziert und berücksichtigt werden. Von beiden Seiten. Für manche ist das ein Lernprozess.

Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten?

  • Man kann viel besser Fachkräfte finden, man ist nicht nur an einen Ort gebunden mit einem gewissen Umkreis.
  • Man gilt als Remote Firma als ein attraktiver Arbeitgeber. Keine langen Arbeitsfahrten und Staus, flexible Arbeitszeiten. Das Leben dreht sich nicht mehr um die Arbeit, sondern die Arbeit um das Leben. Für viele ein sehr wichtiger Punkt und guter Grund bei uns dann anfangen zu arbeiten.
  • Keine langen Fahrten zur Arbeit, früh aufstehen, spät nach Hause kommen, gestresst und unausgeschlafen sein. Stattdessen die gewonnene Zeit mit Familie und Hobbies verbringen. Die Möglichkeit mal eben private Dinge oder Behördengänge zu erledigen. Mittags und rund um die Uhr bei der Familie und Kindern zu sein.
    All das führt dazu ein glücklicherer, ausgeglichener, ausgeruhter Mensch zu sein und somit auch bei der Arbeit. Ergo, eine Win Win Situation!

Welchen Tip hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Selbstdisziplin! Auch wenn sich Remote Arbeiten toll anhört, gibt es auch einige Dinge, die man beachten muss. Man muss sich selbst organisieren und Aufgaben umsetzen. Aufschieberitis sollte vermieden werden und sich nicht von anderen Dingen leicht ablenken lassen.

Man muss auch Feierabend machen und klar zwischen Arbeit und Privates trennen, auch wenn beides in den gleichen 4 Wänden stattfindet.

Der soziale Kontakt zur Außenwelt ist auch sehr wichtig. Es gibt einige, die Probleme haben zu vereinsamen, da sie nur noch zu Hause hocken, das gilt es zu vermeiden.

Die Familie muss auch verstehen und begreifen, dass man arbeitet. Nur weil man zuhause ist, heisst es nicht, dass man laufend gestört werden kann und nichts tut. Für manche Familienmitglieder ist das nicht ganz verständlich. Das muss auch für alle im Haus klar sein.

Danke für das Interview, Alexander!

Lies auch das Interview mit Stefanie Nass, Projektmanagerin bei Inpsyde.

 

Über mich

Ich bin Teresa und ich helfe Unternehmen Home-Office und remote work erfolgreich einzuführen. In meinem Blog findest du Portraits von Unternehmen, die bereits erfolgreich remote arbeiten und ich teile meine Herangehensweise an Remote Work und Leadership. Viel Spass beim Lesen!

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