Ortsunabhängig arbeiten bei Joyride Dating

Joyride-Dating will mit ihrer weltweiten App Jaumo die richtigen Menschen miteinander verbinden. Das Gefühl echter Nähe zu verbreiten und dabei remote arbeiten? Jens Kammerer, Gründer und CEO erzählt uns mehr über den Arbeitsalltag im Unternehmen.

GetRemote Interview mit Joyride Dating

Obwohl wir globaler vernetzt sind als je zuvor, ist es immer noch überraschend schwierig, das Gefühl echter Nähe zu erleben. Trotz der unzähligen Online-Kontakte fühlen sich viele Menschen doch einsam.

Die meisten Dating-Apps sind auf ein einzelnes Foto oder einen oberflächlichen Spruch im Profil reduziert. Man erwähnt wenig über den Menschen selbst und genau deswegen ist es so schwierig in Kontakt zu treten.

Jaumo ist anders. Wir ermöglichen allen Mitgliedern sich individuell darzustellen: mit vielen Fotos, Momenten, umfangreichen Profilangaben und den dazugehörigen Suchfunktionen. Unser Ziel ist es, die richtigen Menschen miteinander zu verbinden und bei ihrer Suche zu unterstützen.

Jaumo ist eine weltweite Dating-App, die wir – zwei langjährige Freunde und Social-Tech-Unternehmer – im Jahr 2011 gegründet haben, nachdem wir durchs Online-Dating unsere eigenen Lebenspartner gefunden hatten.

 

Steckbrief

  • Unternehmen: Joyride Dating
  • Mitarbeiterzahl: 24
  • Modell: Full Remote
  • Interviewpartner: Jens Kammerer, Gründer und CEO

 

1. Wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Wir geben unserem Team wenige feste Vorgaben. Beispielsweise gibt es keine festgelegten Bürozeiten, sondern eine Richtlinie mit Wochenstunden. Was zählt, ist nicht die Zahl der Arbeitsstunden, sondern die Ergebnisse. Remote Arbeit bedeutet für uns großes Vertrauen in die Mitarbeiter, viel Freiheit und somit eine ausgewogene Work-Life-Balance.

 

2. Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Zur schnellen, alltäglichen Kommunikation nutzen wir vorrangig Slack und Zoom. Wenn Team-Meetings anstehen, treffen wir uns virtuell per Videokonferenz. Vor allem, da unser Team so international aufgestellt ist und einige von uns sich im analogen Leben noch nicht begegnet sind, sind regelmäßige Videoanrufe wichtig: Man kann auf diese Weise einfach eine persönliche Atmosphäre schaffen und ein Gefühl für das miteinander Arbeiten bekommen.

So bleibt trotz der räumlichen Distanz das Zwischenmenschliche nicht auf der Strecke. Das mag als langfristiges Arbeitsmodell für viele noch ungewöhnlich klingen. In den vergangenen Monaten haben jedoch Menschen auf der ganzen Welt die Erfahrung gemacht, wie schnell man sich daran gewöhnt und wie gut es funktioniert.

 

3. Warum hast du dich dafür entschieden, mit deinem Team ortsunabhängig zu arbeiten?

Ich bin überzeugt, dass Experten nicht ortsgebunden sind. Sprich, die Person, die perfekt in unser Team passt, wohnt nicht unbedingt in derselben Stadt, in der wir unseren Sitz haben. Auch leben wir in unserer Arbeitskultur quasi nach dem Motto, dass wir auch durch Joyride vermitteln wollen: Menschen miteinander zu verbinden, egal, wo sie sich befinden.

Wir haben die notwendigen Technologien, damit ein Unternehmen ortsunabhängig und erfolgreich funktioniert. Zudem entfallen die Mietkosten und der Pendelverkehr, somit ist Remote Work günstiger und umweltfreundlicher. In meinen Augen ist es einfach die logische Weiterentwicklung der traditionellen Berufsstruktur.

 

4. Arbeitet ihr (nur) ortsunabhängig oder auch zeitunabhängig?

Wir arbeiten unabhängig von Ort und Zeit. Dieses Arbeitsmodell macht für uns am meisten Sinn, weil unser Team auf der ganzen Welt verteilt ist. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen wäre es unmöglich, allgemeingültige Bürozeiten festzulegen.

Außerdem hat jeder individuelle Zeiten, zu denen er oder sie am produktivsten ist. Am wichtigsten ist für uns nicht der durchgehende 8-Stunden-Tag, sondern die effektive und zufriedenstellende Umsetzung unserer Projekte.

 

5. Worauf sollten Unternehmen besonders achten, die Home Office und Remote Work gerade neu etablieren?

Auf jeden Fall Struktur: Klar definierte Abläufe, Deadlines, Ansprechpartner und Zuständigkeiten. Remote Work heißt außerdem nicht, in Isolation und im stillen Kämmerlein zu arbeiten. Austausch und Kommunikation sind essentiell, nur finden sie über andere Kanäle statt, die noch nicht zur Routine zählen, aber zunehmend an Relevanz gewinnen.

Dennoch muss man einräumen, dass die virtuelle Welt die reale nicht ersetzt. Sich persönlich im Leben kennenzulernen, ist meiner Auffassung nach sehr wichtig. Unser Team trifft sich beispielsweise einmal im Jahr bei einem Retreat für einige Tage.  Das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmenskultur. 

Home Office und Remote Work erfordern auch neue Soft Skills, was man gerade zu Beginn im Hinterkopf behalten sollte. Das wird beispielsweise deutlich, wenn man den Tonfall einer Nachricht interpretieren und auf sie reagieren muss. Auch beim Verfassen einer simplen Slack-Nachricht muss man sich in den Kommunikationspartner hineinversetzen, um durch zusätzliche Worte dafür aufzuwiegen, was sonst Gesten und Gesichtsausdrücke nonverbal tun.

Auch erfolgt die Reaktion manchmal nicht so unmittelbar, wie wenn man den Kollegen am Nachbartisch direkt anspricht – vor allem, wenn man sich in unterschiedlichen Zeitzonen befindet. Man lernt, vorauszuplanen und anders zu kalkulieren, was keineswegs heißt, dass die Qualität der Arbeit darunter leidet. Im Gegenteil: Home Office bzw. Remote Work bieten ein nie dagewesenes Maß an Flexibilität.

 

6. Funktioniert erfolgreiches Führen auf räumliche Distanz anders als im Büro?

Im Endeffekt ist Kommunikation noch wichtiger als im Büro, weil man diese aktiv gestalten muss und sich nicht zufällig über den Flur läuft. Der Feedback-Kanal ist sehr wichtig, um herauszufinden, ob die Mitarbeiter zufrieden sind. Wir nutzen dafür das Tool 15five, mit dem jeder Mitarbeiter einmal pro Woche einen Statusbericht darüber abgibt, wie er oder sie sich fühlt und ob es etwas zu feiern gibt. Damit kann man auch High Fives an Kollegen verteilen.

 

7. Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften?

Häufig hört man, dass Home Office zu unproduktiver Arbeit und Motivationsproblemen führt. Dazu würde ich sagen, dass es auch im Büro genügend unproduktive Arbeitsstunden gibt und Motivation nichts Naturgegebenes ist. Ein ebenso häufiges Vorurteil ist, dass im Home Office weniger gearbeitet wird. Aus unserer Erfahrung kann ich das überhaupt nicht bestätigen.

 

8. Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten?

  1. Flexible und individuelle Gestaltung des Arbeitsalltags bzw. Arbeitsablaufs
  2. Eine enorme zeitliche Entlastung durch entfallende Wege zum und vom Büro 
  3. Eine bessere Work-Life-Balance, z.B. für Eltern mit kleinen Kindern

 

9. Welchen Tipp hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Was man selbst mitbringen sollte, sind ein hohes Maß an Eigenorganisation und Entscheidungsfreude. Auch sollte man sich wirklich sicher sein, dass Remote Work längerfristig zu einem passt. Natürlich sind die entsprechende technische Ausstattung wichtig, ebenso wie Räumlichkeiten, in denen man ungestört arbeiten kann.

Für diejenigen, die sich sicher sind, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Selbst in Ländern, in denen die Digitalisierung noch nicht  so stark ausgebaut ist, bzw. in Kulturen mit einer konservativen Auffassung von dem Begriff “Arbeit” etabliert sich diese Arbeitsform zunehmend. Schon vor der Corona-Pandemie war Remote Work ein wichtiges Thema.

Ich glaube, die Krise hat dieser Frage eine zusätzliche Legitimation verschafft und die nötigen Beweise geliefert, um Zweifler zu überzeugen. Deswegen bin ich überzeugt, dass sich die Berufslandschaft in den nächsten Jahren nachhaltig wandeln und sich alternative Arbeitsmodelle etablieren werden. Möglicherweise wird ein Bürojob in bestimmten Branchen in zehn Jahren sogar die Ausnahme sein.

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