Ortsunabhängig arbeiten bei Kellerkinder

Als Dienstleister für Agenturen und Integratoren entwickeln die Kellerkinder Lösungen für komplexe Anforderungen im E-Commerce. Founder & Managing Director Siegmund Mioduszewski gewährt uns im Interview einen Blick hinter die Kulissen.

GetRemote Interview mit Kellerkinder

Auf Basis von Shopware entwickeln wir Lösungen für komplexe Anforderungen im E-Commerce und sind kompetente Dienstleister für Agenturen und Integratoren. Qualität ist uns sehr wichtig, dafür stehen wir mit unserem Namen und sind hierfür auch in der Branche bekannt, was dazu geführt hat, dass selbst die shopware AG auf unsere Leistungen vertraut.

 

Steckbrief

  • Unternehmen: Kellerkinder GmbH
  • Mitarbeiteranzahl: 20+
  • Modell: Full Remote
  • Interviewpartner: Siegmund Mioduszewski (“Mio”), Founder & Managing Director

 

1. Wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus?

Wir arbeiten sowohl ortsunabhängig als auch zeitlich möglichst asynchron. Es kann also jeder selbst entscheiden, wann und von wo er arbeiten möchte.

Viele arbeiten dabei standardmäßig aus dem Homeoffice, aber auch aus dem Coworking, aus Cafés oder bei Bekannten und Freunden, wenn man mal raus möchte. Solange das Internet läuft, gibt es da keine Grenzen. Wir haben auch Büroräume in Hockenheim, die man nutzen kann, wenn man möchte, meist ist hier aber nur etwas los, wenn wir uns zu unseren regelmäßigen Get Together treffen. Man könnte auch sagen, dass unser Büro primär als Möglichkeit für Meetings dient.

Remote zu arbeiten erlauben wir natürlich auch aus dem Ausland, solange eine Zeitverschiebung von plus/minus einer Stunde zur deutschen Zeit nicht überschritten wird und der Hauptwohnsitz in Deutschland ist. Die maximale Zeitverschiebung hat sich eingebürgert, da doch ein paar Termine pro Woche stattfinden. 

Uns ist sehr wichtig, dass zugesagte Termine und Fristen eingehalten werden. Unserer Einschätzung nach ist das ein wichtiger Punkt, um “Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort” auch durchziehen zu können. Abgesehen davon kann jeder vollständig frei entscheiden, wann er arbeitet. Wenn also unter der Woche das Wetter schön ist oder das eigene Kind krank, kümmert man sich um das eigene Wohlbefinden oder den Nachwuchs und holt die Stunden dafür einfach nach. Beispielsweise am verregneten Samstag oder auch abends.

 

2. Mit welchen Tools arbeitet ihr?

Wir haben, um unserem Ziel vom papierlosen Büro möglichst nahezukommen, diverse große und kleine Tools und Hilfen im Einsatz. Das fängt damit an, dass wir alle auf Macs arbeiten, um die gleichen Tools nutzen zu können. Zudem sind Macs bei Entwicklern sehr beliebt und die Nerds bilden die größte Gruppe bei den Kellerkindern. 

Um aber bei den konkreten Tools zu bleiben:

Die tagtägliche Kommunikation findet via Slack statt. Für Termine und Absprachen nutzen wir Zoom. Zudem haben wir die gesamte Google Suite mit Gmail, Drive, Docs, Sheets, Forms etc. im Einsatz. Das hat dazu geführt, dass wir beispielsweise Microsoft Office komplett verbannt haben und so komplett in der Cloud sind.

Für die Projektorganisation nutzen wir je nach Unternehmensbereich entweder Jira oder Trello. Hinzu kommen für die einzelnen Unternehmensbereiche natürlich auch noch Tools wie HelloSign für elektronische Signaturen, Docuvita als DMS, GitLab für Sourcecode-Versionskontrolle, PHPStorm als IDE für die Entwickler, BambooHR für das Bewerbermanagement oder die DATEV für die Buchhaltung.

Viele Prozesse bilden wir aber auch in einem eigens entwickelten, internen Tool ab. Wir haben uns hier bewusst für eine eigene Lösung entschieden, um möglichst flexibel zu sein und uns nicht für unsere Prozesse “verbiegen” zu müssen. Hierzu zählen bspw. Lead-Management, die Abrechnung, die Ressourcenplanung oder auch das Event-Management.

 

3. Warum hast du dich dafür entschieden, mit deinem Team ortsunabhängig zu arbeiten?

Es gab mehrere Gründe, die eine Ortsunabhängigkeit zu einer logischen Entscheidung machten:

Ich habe vor der Gründung der Kellerkinder als Freelancer gearbeitet. Da liegt es in der Natur der Sache, dass man gewisse Freiheiten genießen und nutzen kann: Ich war immer am produktivsten, wenn ich genau dann meine Sachen erledigen konnte, wann ich wollte. Zudem fühlte ich mich im Homeoffice deutlich wohler und konnte damit auch die Umwelt schützen, weil ich nicht mit dem Auto fahren musste. Da lag der Gedanke nahe, dass es auch andere geben muss, denen es so ging wie mir und die eine solche Arbeitsweise auch in einer Festanstellung zu schätzen wissen würden.

Und das hat sich auch bewahrheitet: Viele wollen aus den verschiedensten Gründen selbstbestimmter arbeiten und dem tragen wir Rechnung. Angefangen haben wir jedoch mit reiner Präsenz-Zeit.

Wir haben unserer Einschätzung nach einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Um diesen zu halten, braucht es natürlich gute Mitarbeiter, die aber nicht nur fachlich gut sind, sondern auch zu uns passen. 

Leider findet man diese Mitarbeiter nicht geballt an einem Ort und von einem Umzug nach Hockenheim lassen sie sich auch nicht immer überzeugen. Daher haben wir uns entschieden, den Weg zum vollständig ortsunabhängigen Unternehmen zu gehen. Durch diesen Schritt sind solche Hürden nicht mehr von Bedeutung. Und der Mitarbeiter hat nun auch keinen Grund mehr, seinen Job zu wechseln, wenn er umziehen möchte.

 

4. Welche Startschwierigkeiten hattest du mit der Einführung des flexiblen Arbeitsmodells? Was ist dein größtes Learning aus der Umstellungsphase?

Wir haben uns sehr früh in der Unternehmensgeschichte dazu entschieden, auf ein ortsunabhängiges Arbeitsmodell umzustellen. Daher war die Umstellung sehr fließend

Wir haben uns zu Beginn aber intensiv damit auseinandergesetzt, mit welchen Tools und Systemen wir arbeiten möchten und sollten und dabei auch manches ausprobiert. Das sehe ich allerdings nicht als Startschwierigkeit, sondern ist eine immerwährende Weiterentwicklung. Wir reden hier von der absoluten Basis und die muss stimmen, wenn man vernünftige Ergebnisse erzielen will. 

Was aber, im Vergleich zum Arbeiten im stationären Büro, einer deutlich größeren Bedeutung zukommt, ist die Dokumentation aller Prozesse: Wie wird kommuniziert? Was wird wozu genutzt? Wie sind die Abläufe definiert? Für uns hat sich ein Handbuch, quasi ein Nachschlagewerk, in dem alle Prozesse festgehalten und für alle einsehbar sind, sehr bewährt. Dieses Handbuch hat sich zu einer zentralen Anlaufstelle und einem wesentlichen Bestandteil unserer Abläufe entwickelt.

 

5. Funktioniert erfolgreiches Führen auf räumliche Distanz anders als im Büro?

Im Grunde ist Führung auf räumliche Distanz gar nicht so viel anders – es bekommen aber einige Grundprinzipien einen anderen Stellenwert. 

Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Führung. Remote entscheidet genau diese aber darüber, ob das Modell funktioniert oder nicht. Enge Kontrolle vonseiten des Vorgesetzten ist remote kaum möglich, das muss beiden Seiten klar sein. Während vom Vorgesetzten also besonderes Vertrauen gefragt ist, muss auch der Mitarbeiter Eigeninitiative und Selbstdisziplin an den Tag legen, um dieses Vertrauen zu stärken. 

Dasselbe gilt für Kommunikation und auch Transparenz, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Beide Seiten sind darauf angewiesen, sich sowohl auf dem Laufenden zu halten als auch Probleme proaktiv anzusprechen. Denn eine problembehaftete Stimmung ist remote natürlich deutlich schwieriger und meist auch erst später zu erkennen, als wenn man täglich in einem Raum zusammen sitzt. 

Natürlich muss man auch erwähnen, dass sicherlich nicht jeder Mensch dafür geeignet ist, remote zu arbeiten. Dies stellt besondere Anforderungen an die Mitarbeiterauswahl, aber auch an den (potenziellen) Mitarbeiter, der seine Stärken und Wünsche viel umfassender reflektieren sollte.

 

6. Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften?

Ich muss zugeben, dass anfangs viele dachten, dass wir gar keine Firma seien, sondern ein paar Freelancer, die sich zusammengetan haben und nur unter einer gemeinsamen Brand auftreten. Unser Wachstum und unsere Präsenz im Markt in den letzten Jahren haben diesen Eindruck aber meiner Einschätzung nach zerschlagen. 

Was aber bis zum Ausbruch von Corona blieb: Wir wurden für unser Modell belächelt. “Mio, sobald ihr größer werdet, funktioniert das nicht mehr”, war ein oft gehörter Satz. Seit Corona und der Umstellung vieler anderer auf (temporäres) Homeoffice hat sich diese Sichtweise aber verändert und wir werden inzwischen oft zu unseren Prozessen gefragt.

Persönlich erfahren wir bei den Kellerkindern in unserem Umfeld oft Neugierde und Interesse. Vor dem Frühjahr diesen Jahres hörte man oft sehr einfache Fragen, die auch gleichzeitig Vorurteile waren: “Ich glaub, ich könnte das nicht”, “Ist man da nicht ständig abgelenkt?”, “Die Trennung zwischen Privatem und Beruflichem – funktioniert das wirklich?” oder auch “Vereinsamt man nicht?”. 

All diese Fragen sind berechtigt und müssen auch gestellt werden. Und um es sehr klar zu sagen: Nicht jeder kann Remote. Wir haben in unserem Auswahlprozess für Bewerber inzwischen aber passende Fragen entwickelt, um beiden Seiten klar werden zu lassen, ob es funktionieren könnte. Selbstdisziplin und Organisation ist beispielsweise ein Thema, bei dem man als Unternehmen auch nur unterstützend tätig sein kann und bei der jeder in einer gewissen Eigenverantwortung steht. 

Was durch das “Zwangshomeoffice” im Frühjahr einige selbst festgestellt haben: Die vermeintliche Un-Produktivität können wir überhaupt nicht unterschreiben. Eher im Gegenteil: die Ruhe im Homeoffice wirkt unserer Erfahrung nach eher produktivitätsfördernd.

 

7. Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten?

  • Nicht nur der Einzelne ist flexibler und freier in seinem Alltag, auch das Unternehmen kann deutlich schneller und leichter auf neue Situationen reagieren.
  • Der einzelne Mitarbeiter kann produktiver und fokussierter arbeiten, aber auch das Unternehmen ist gezwungen, seine Prozesse und Systeme effizienter und professioneller aufzusetzen. Dies kommt beiden Seiten zugute. 
  • Mitarbeiter können beim Traum-Arbeitgeber arbeiten und müssen nicht mehr den sozialen Kosmos und/oder Familie verlassen und umziehen.

 

8. Welchen Tipp hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Bewerbt Euch bei uns. 😉 

Aber darüber hinaus: Einfach dranbleiben! Der Markt ändert sich und viele Unternehmen, gerade durch die Situation mit Corona, werden immer offener für ortsunabhängige Arbeit. Dies ist sicherlich auch eine Chance, sich im bestehenden Job mehr Freiheiten zu sichern. 

Neben den Unternehmen kann dies aber auch eine Chance für einen selbst sein, um einfach zu testen, wie man mit einer freieren Arbeitsweise zurechtkommt. Denn es bedarf schon etwas mehr als einem Laptop und einer Hängematte am Strand, was ja bei vielen das erste Bild ist, das sie zu dieser Thematik im Kopf haben.

Über mich

Ich bin Teresa und ich helfe Unternehmen Home-Office und remote work erfolgreich einzuführen. In meinem Blog findest du Portraits von Unternehmen, die bereits erfolgreich remote arbeiten und ich teile meine Herangehensweise an Remote Work und Leadership. Viel Spass beim Lesen!

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