Ortsunabhängige Mitarbeiter
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Wie ein Senior Web Developer ortsunabhängig arbeiten kann – undpaul GmbH

Interviewpartner: Tom Keitel, Senior Web Developer

Mein Name ist Tom Keitel.

Ich bin 39 Jahre alt und arbeite seit ca. 4,5 Jahren bei undpaul. Als Senior Web Developer bin ich für alle Aufgabenbereiche der Webentwicklung zuständig (sowohl Backend- als auch Frontend-Programmierung).

Dies reicht von kleineren Tätigkeiten bis hin zur Entwicklung komplexer Anwendungen im Team. Eigentlich komme ich eher aus der Design-Ecke da mich aber auch immer schon der Code hinter der Fassade interessiert hat, bin ich irgendwann arbeitstechnisch komplett in Richtung Programmierung gegangen.

Privat (und manchmal auf der Arbeit) beschäftige ich mich aber auch weiterhin immer wieder mit Design-Tätigkeiten (z.B. für eigene kleine Projekte oder Marketing-/Merch-Artikel befreundeter Bands). Wie auch bei mir im Team-Profil bei undpaul steht: Ich bin Full-Stack-Developer mit Auge 😉

1. Seit wann arbeitest du in einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Bei undpaul arbeite ich aufgrund meines Umzugs von Hannover zurück in die alte Heimat seit ca. 3,5 Jahren wieder von zu Hause aus. Als ich 2014 bei undpaul angefangen habe, habe ich aufgrund der räumlichen Nähe zuerst auch im Hauptbüro gearbeitet.

In meinen vorherigen Jobs für Firmen in Berlin und Hamburg hatte ich aber ebenso bereits viel im Homeoffice gearbeitet, so dass ich auf insgesamt über 12 Jahre Heimarbeit Erfahrung komme.

2. Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?

Meine typische Arbeitswoche unterscheidet sich, glaube ich, wenig von Leuten, die im Büro arbeiten. Meine Kernarbeitszeit liegt zwischen 9 und 17 Uhr, wobei dies auch manchmal leicht variiert, je nachdem, was auf der Arbeit / im Privaten anliegt.

Ein typischer Arbeitstag beginnt für mich persönlich morgens um 6:30 Uhr mit dem Fertigmachen unserer zwei Kinder und dem Wegbringen zur Kita/Schule.

Wenn ich gegen 8:30 Uhr zurück bin, folgt natürlich erst mal eine Begrüßung im firmeneigenen Chat-Kanal. Danach geht es los mit dem Abarbeiten von Aufgaben aus unserem Ticket-System, bis dann unsere täglichen allgemeinen Stand-Ups pro Projekt per Videokonferenz stattfinden (je nachdem woran man gerade arbeitet), in denen jeder erzählt was getan wurde und im Laufe des Tages noch gemacht wird.

Nach diesen Treffen geht es weiter mit der Projektarbeit. Bei eventuell nötigen Abstimmungen, treffen sich unser Team oder ausgewählte Projektmitarbeiter in einer Videokonferenz, um Probleme zu diskutieren und/oder sich Lösungsideen zu erfragen.

Weitere Meetings mit dem Projektteam und/oder Kunden werden im Vorfeld terminlich abgestimmt und per Telefon oder auch in Videokonferenzen durchgeführt.

Zum Mittag genieße ich den Luxus, meine Pause in der heimischen Küche mit der Familie (oder zumindest Teilen davon, je nachdem wer gerade da ist) zu verbringen.

Nach dem Mittag werden dann weiter Tickets abgearbeitet bis ca. 17/18 Uhr Feierabend ist.

3. Wie sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus und wozu nutzt du die gewonnene Flexibilität?

Von unserem Team mit 13 Leuten, ist “nur” ca. die Hälfte im Hauptbüro in Hannover. Alle anderen sind über ganz Deutschland verteilt und arbeiten von zu Hause aus oder in örtlichen Bürogemeinschaften / Coworking Spaces.

Prinzipiell haben wir keine Kernarbeitszeit, in der alle erreichbar sein sollten. Jeder kann seine Arbeitszeit relativ frei einteilen, so dass z. B. manche bei uns schon um 6 Uhr anfangen und dann dementsprechend nachmittags früher gehen. Wichtig am Ende des Tages ist prinzipiell nur, dass die jeweiligen Aufgaben erledigt wurden.

Für mich persönlich ist diese Flexibilität und das damit verbundene Arbeitsklima bei einer Arbeitsstelle mit am Wichtigsten, denn so kann ich mich auch in der Familie / bei privaten Dingen mehr einbringen. Da meine Frau nach den Elternzeiten der Kinder auch wieder als Förderlehrerin voll berufstätig ist, ist es sehr praktisch, einen Elternteil zu Hause zu haben, der zur Not immer da ist, wenn z. B. eines der Kinder krank ist.

Anders als bei der Arbeit im Büro mit starren Arbeitszeiten, kann ich beispielsweise zwischendurch auch mal die Kinder aus dem Kindergarten / der Schule abholen, mich kurz mit um die Hausaufgaben unseres Ältesten kümmern, kleine Arbeiten im Haushalt erledigen, oder auch einfach mal 10 Minuten zwischendurch mit unseren Kindern spielen und beim Lego-Bauen zu helfen.

Allein schon durch die eingesparte Zeit des Arbeitsweges habe ich täglich die Möglichkeit, mehr Zeit mit Privatem zu verbringen, was die Work-Life-Balance erheblich verbessert.

Ohne diese Freiheiten im Job hätte ich z. B. auch nicht die ersten Worte und Schritte unserer Kinder und andere schöne Momente des Aufwachsens selbst miterleben können, sondern hätte sie nur am Ende eines Arbeitstages von meiner Frau erzählt bekommen.

4. Wie haltet ihr den sozialen Aspekt der Zusammenarbeit aufrecht?

Neben unseren täglichen projektbezogenen Dailys (Dauer: ca. 15 Min.), treffen wir uns jeweils Mittwochs als gesamtes Team immer per Videokonferenz (Dauer: ca. 30 Min.) und tauschen uns aus, was gerade jeder macht, was für eventuelle Probleme anliegen und was für die nächste Woche geplant ist.

Ansonsten trifft man sich natürlich auch bei eventuellen Kundenterminen oder projektbezogenen Abstimmungsrunden immer mal wieder live und in Farbe.

Einmal im Jahr fährt das gesamte Team zusammen auf die europäische DrupalCon – die Hauptkonferenz zum Thema Drupal hier im europäischen Raum. Auch kleinere Konferenzen werden immer mal wieder in kleinen oder größeren Gruppen besucht.

Ansonsten werden über das Jahr verteilt auch öfters Termine organisiert, wo sich das Team fernab der allgemeinen Arbeit zusammenfindet. So stehen z. B. immer mal wieder Retreats (Treffen zum gemeinsamen Analysieren der Strukturen/Abläufe/Probleme etc. innerhalb der Firma), gemeinsame Wanderungen, Weihnachtsmarktbesuche, Mario-Kart-Abende oder ähnliches an, wo man auch einfach mal so miteinander schnacken kann.

Ich persönlich versuche z. B. auch Konzertbesuche in Hannover immer mit einem Büro-Tag im Hauptbüro zu verbinden, damit man sich mal wieder sieht.

5. Hat sich an deinem Verhältnis zur Arbeit und zu deinem Arbeitgeber etwas verändert?

Ehrlich gesagt nein. Bei undpaul wird seit eh und je ein freundschaftlich/familiäres Verhältnis mit flachen Hierarchien gepflegt – auch bei meinen vorherigen Arbeitgebern war dies so. Ich bin mir aber sicher, dass die mir dargelegten Möglichkeiten seitens undpaul keine Selbstverständlichkeit sind und ich diese auch nicht “ausnutzen” darf. Selbstständiges und organisiertes Arbeiten ist daher von Anfang an Pflicht – auch wenn, oder besser, gerade da ich hier alleine in meinem heimischen Büro sitze.

… und wenn man ehrlich ist, macht arbeiten so ja auch sehr viel mehr Spaß 😉

6. Welchen Tip hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Da die heutige Technik immer mehr Möglichkeiten bietet, ortsunabhängig zu arbeiten, sollte man sich durch eventuell skeptische Arbeitgeber nicht abschrecken lassen.

Falls der Wunsch nach einer komplett ortsunabhängigen Arbeit nicht erfüllt werden kann (sei es wegen Bedenken des Arbeitgebers oder aufgrund von Verpflichtungen/Terminen, die nun mal im Büro abgehalten werden müssen), können anfangs geteilte Modelle (z. B. 2 Tage Büro, 3 Tage Homeoffice in der Woche) den Arbeitgeber eventuell überzeugen, mehr Heimarbeit zuzulassen und dem Arbeitnehmer dadurch auch mehr Vertrauen zu schenken.

Meiner Meinung nach profitieren Unternehmen mehr von dieser Art der Arbeit, als dass dadurch Probleme entstehen würden. Neben ausgeglicheneren Mitarbeitern kommt z. B. auch hinzu, dass man sich in den eigenen vier Wänden auch sehr viel besser konzentrieren kann und somit produktiver ist, da man nicht vom allgemeinen Tagesgeschäft im Großraumbüro abgelenkt wird.

Wichtig bei der Arbeit von zu Hause aus ist aber ein explizites Arbeitszimmer. Damit ist für alle Familienmitglieder klar, wo meine Arbeit “anfängt” und, dass ich in diesem Raum während der Arbeitszeit nur im Notfall gestört werden sollte. Das macht es mir auch am Tagesende einfacher, dass ich, sobald ich das Zimmer verlasse, das Gefühl von “richtigem” Feierabend habe – auch wenn ich eigentlich nur ‘ne Tür weitergehe.

Klar werden ab und an wenn’s brennt auch später am Abend noch Arbeitsthemen am Laptop auf der Couch bearbeitet (ist ja in normalen Arbeitsverhältnissen auch so), aber man sollte trotz der räumlich nur sehr gering getrennten Bereiche zusehen, dass die Arbeit im Arbeitszimmer bleibt 😉

7. Welchen Rat kannst du Unternehmen mit auf den Weg geben, die überlegen, ihr Team ortsunabhängig(er) aufzustellen?

Sofern das Beschäftigungsverhältnis die Möglichkeit zur Heimarbeit bietet, sollten Arbeitgeber dieses Modell ihren Mitarbeitern nicht vorenthalten. Wie schon bei der vorherigen Frage beschrieben, profitieren Arbeitgeber größtenteils von dieser Arbeitsweise und werden dadurch außerdem auch als sozial besser aufgestellte Firmen wahrgenommen, da sie insbesondere Familien das Leben erheblich erleichtern – z. B. auch in Bereichen, wo die hohe Verfügbarkeit der Arbeitnehmer teilweise zu “unchristlichen” Zeiten erforderlich ist.

Dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Form der Arbeit natürlich auch Nachteile/Probleme bieten kann – z.B. das “Nicht vor Ort sein” einzelner Mitarbeiter. Hierfür lassen sich aber eigentlich immer Mittel und Wege finden, womit diese überwunden werden können – sei es durch moderne Kommunikationskanäle oder Bürotage zu bestimmten Terminen.

Sofern alle in der Firma an einem Strang ziehen und man sich gemeinsam auf Lösungen einigt, stellen solche Probleme keine großen Hindernisse dar.

Arbeitgeber sollten sich auf jeden Fall nicht scheuen, ihren Mitarbeitern durch diese Art der Arbeit mehr Vertrauen und ggf. Verantwortung zu schenken. Dies gibt auch dem Arbeitnehmer ein größeres Gefühl der Wertschätzung.

Das entgegengebrachte Vertrauen durch die freie Heimarbeit sollte natürlich im Gegenzug nicht durch den Arbeitnehmer ausgenutzt werden. Hierzu sind aber keine Überwachungsmethoden in Big-Brother-Manier nötig.

Die schon vorher beschriebenen Dailys bieten schon einen guten Überblick über die aktuelle Auslastung. Um zusätzlich einen Überblick über die Arbeitszeiten der Mitarbeiter zu haben, hat sich bei uns z. B. ein Time-Tracking-System bewährt.

Dies sollte aber ebenso nicht als Überwachungs-Tool verwendet/angesehen werden, sondern insbesondere auch den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, zu sehen, wie viel Zeit für die jeweiligen Aufgaben benötigt wurde. Dies macht es uns z. B. bei neuen Schätzungen von Projekten/Aufgaben einfacher, realistische Angaben auf Basis von Erfahrungswerten zu machen.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die Möglichkeit der einfachen Aufschlüsselung von Aufwänden den Kunden gegenüber – sei es bei der Rechnungserstellung oder Planung neuer Projekte.

Vielen Dank für das Interview!

Copyright Fotos: https://www.hansundjung.com

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