Wie kann eine Kundenberaterin ortsunabhängig arbeiten? Tippgeber

Anne-Katrin Mertens gibt im Interview mit GetRemote einen Einblick, wie der Arbeitsalltag einer ortsunabhängigen Kundenberaterin beim Tippgeber aussieht.

Anne-Katrin Mertens gibt im Interview mit GetRemote einen Einblick, wie der Arbeitsalltag einer ortsunabhängigen Kundenberaterin bei Tippgeber aussieht.

 

1. Anne-Katrin, seit wann arbeitest du in einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Seit Beginn des Jahres 2018 arbeite ich in einer ortsunabhängigen Festanstellung in Teilzeit für das Unternehmen TIPPGEBER, einem spezialisierten Versicherungsvermittler für private Kinderkrankenversicherungen. Die Stellenanzeige als “Digitalnomade für Kinderkrankenversicherungen” hatte ich damals in der DNX Jobbörse entdeckt und mich dann auch relativ zeitnah nach der Veröffentlichung beworben. Mein erstes Telefoninterview hatte ich bereits am nächsten Tag und dann ging alles ziemlich schnell 🙂 .

Ich vertrete sicherlich nicht das typische digitale Nomadentum, sondern falle wohl eher aufgrund meiner persönlichen Situation in die Kategorie “Slow Traveller”. Mit meiner Familie zusammen habe ich letztes Jahr unser Zuhause in München komplett aufgegeben und lebe seitdem in der Nähe von Lissabon. Wir haben allerdings auch unser gesamtes Hab und Gut dabei und lebten somit nie aus dem Koffer. Unser Aufenthalt war von Anfang an für einen Zeitraum von ca. 5 Jahren geplant bzw. solange wie es uns gefällt, bzw. wie mein Mann es mit seinem aktuellen Job vereinbaren kann.

Vor der Geburt unserer Tochter waren mein Mann und ich bereits viele Jahre im Mittleren Osten und Afrika “Zuhause”, aber immer für einen absehbaren Zeitraum mit einer Festanstellung vor Ort. Wahrscheinlich ist es einfach bei den meisten so, dass man dann diese gewisse Ruhelosigkeit nicht einfach so ablegen kann, wenn man einmal in der Welt unterwegs gewesen ist. Wir genießen also dieses Privileg des ortsunabhängigen Arbeitens, ermöglichen uns und unser Tochter aber andererseits eine gewisse Sesshaftigkeit und ein strukturiertes Umfeld.

2. Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?

Im Normalfall arbeite ich regelmäßig von Montags bis Freitags jeweils nach meinem persönlichen Zeitplan, aber es gibt natürlich Ausnahmen, wenn zum Beispiel jemand aus unserem Team mal abwesend ist. Dann übernimmt selbstverständlich der Rest von uns die Kundenbetreuung des jeweiligen Teammitgliedes und kann bei Rückfragen eines Kunden auch einspringen. Unsere Office-Tool Pipedrive ermöglicht uns den Zugriff auf jede Kundenkartei so dass wir als gesamtes Team jederzeit den aktuellen Bearbeitungsstand einsehen und somit jederzeit als Vertretung einspringen können.

Gerade im Versicherungsgeschäft sind oftmals Fristen zu wahren, so dass wir unseren Kunden, auch außerhalb gewöhnlicher Öffnungszeiten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Jeder aus unserem Team hat also auch am Ende des Tages, am Wochenende oder auch an Feiertagen immer einen Blick auf seine aktuellen und dringenden Fälle. Und so kann es auch passieren, dass wir uns auch mal alle zu ungewöhnlichen Zeiten in unserem virtuellen Büro treffen und damit einen exklusiven Kunden-Service bieten können, was viele unserer Kunden auch sehr zu schätzen wissen.

3. Wie sieht eure full remote Struktur (komplett ortsunabhängig) aus und wozu nutzt du die gewonnene Flexibilität?

Wie mein Chef, Christoph Huebner, ja schon in seinem Arbeitgeber-Interview angedeutet hat, hat es sich in unserem Team irgendwie eingestellt, dass wir nicht nur ortsunabhängig sondern auch zeitunabhängig arbeiten, obwohl dass von unserer Geschäftsführung anfänglich gar nicht so geplant war. Trotzdem haben wir uns als Team und sich auch unsere Arbeitsabläufe sehr gut eingespielt, so dass wir in dieser Hinsicht selten konkrete Absprachen treffen müssen.

Einen festen Zeitpunkt für einen klassischen Arbeitsbeginn am Morgen gibt es bei uns also nicht und somit auch kein konkretes Arbeitsende. Meistens “treffen” wir uns alle ungeplant und nicht verabredet am späteren Vormittag in unserem virtuellen Büro, wenn jeder dann wirklich individuell mit seinem Arbeitsalltag beginnt.

Unser Beratung rund um das Thema private Kinderkrankenversicherung für Kinder erfolgt per Telefon, per E-Mail und im Live-Chat. Wir wurden von unserem Arbeitgeber mit modernster Technik ausgestattet, um diese Dienstleistung professionell umzusetzen zu können. Darüber hinaus arbeiten wir komplett digital und remote und zur Kommunikation untereinander nutzen wir nicht nur das “klassische” Telefon, sondern ebenfalls entsprechende Tools wie Slack und Google Hangout.

Ich nutze die Flexibilität des ortsunabhängigen Arbeitens für meine individuelle Work-Life Balance und genieße die Freiheit des selbstbestimmten Arbeiten mit meinem persönlichen Tagesablauf.

4. Wie haltet ihr den sozialen Aspekt der Zusammenarbeit aufrecht?

Mein offizielles Onboarding im Januar fand sogar an meinem Wohnort Lissabon statt. Unser Geschäftsführer Christoph war eh schon auf seiner Weltreise vor Ort und unser zweiter Geschäftsführer Markus und mein Kollege Jakob wurden ebenfalls für unser erstes gemeinsames Teamtreffen eingeflogen.

Persönlich treffen wir uns im Team im Rahmen unserer Messe-Teilnahme vier mal im Jahr auf der Babywelt in den großen Städten in Deutschland und verbinden dies immer mit ein paar Tagen Team-Meeting. So war es im April diesen Jahres zum Beispiel in Essen und so ist es auch für November diesen Jahres in Berlin vorgesehen.

Unser Zusammenarbeit verläuft absolut kollegial und hilfsbereit und unsere Chefs sind – je nach Zeitzone in der sie sich gerade bewegen – auch fast 24/7 für uns erreichbar, wenn es brennt.

Ansonsten kommunizieren wir intern über Slack oder per Telefon und sicherlich tauschen wir uns dort auch privat aus beziehungsweise teilen unseren (Büro-)Alltag. Unser virtuelles Büro ermöglicht es uns also auch als Team zu lachen, zu feiern, sich zu ärgern und natürlich auch mal die ein oder andere Träne zu vergießen.

5. Hat sich an deinem Verhältnis zur Arbeit und zu deinem Arbeitgeber etwas verändert?

Meine Einstellung zur Arbeit und zu meinem Arbeitgeber hat sich nicht zwingend geändert, aber das ist auch eine persönliche Einstellungssache und ich war auch persönlich in meinen vorherigen Anstellungen nie wirklich unhappy. Darüber hinaus habe ich den Wechsel zum ortsunabhängigen Arbeiten ja auch nicht bei meinem jetzigen Arbeitgeber vollzogen.

Mein jetziger Job ermöglicht mir aber eine ausgesprochene Flexibilität und eine Work-Life-Balance, die “fast unbezahlbar” ist. Wenn ich zum Beispiel in den letzten Monaten bei einer Veranstaltung im Kindergarten meiner Tochter teilnehmen wollte, musste ich nicht extra Urlaub einreichen, sondern habe meine Arbeitszeit einfach drum herum gelegt. Und das ist echter Luxus.

6. Welchen Tip hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung?

Remote zu arbeiten und vor allem selbstständig ohne viel Anleitung arbeiten zu können ist nicht nur eine Typsache sondern braucht meiner Meinung nach sicherlich auch ein wenig Erfahrung mit entsprechender Eigenverantwortung aus vorangegangen Jobs, um diesen Anforderungen gerecht werden zu können.

Für all diejenigen, die mit diesem Gedanken spielen: Man muss es einfach mal ausprobieren, ob es zu einem passt. Als “Mama” würde ich sagen, hätte mir nichts besseres passieren können. Insofern halte ich diese Form des Arbeitens auch für Mütter, die sonst immer einen Spagat zwischen Beruf und Familie leisten müssen, für absolut empfehlenswert.

7. Welchen Rat kannst du Unternehmen mit auf den Weg geben, die überlegen, ihr Team ortsunabhängig(er) aufzustellen?

Ortsunabhängiges Arbeiten ist ja ein nicht ganz so neues Phänomen, alle projektbezogenen Tätigkeiten – ob Großkonzern oder Einzelunternehmen – erfolgen ja in der Regel vor Ort beim Kunden und somit außerhalb der offiziellen Geschäftsräume.

Ich denke viele Unternehmen könnten sich – falls realisier- und machbar – allerdings überlegen ihren Mitarbeitern mehr Freiheiten in Form von Home Office und Remote zu arbeiten einräumen. Vielfach ist es nicht notwendig, dass Mitarbeiter ihren Job von 9 to 5 vor Ort im Büro am Schreibtisch ausüben.

Der ein oder andere Arbeitnehmer wäre sicherlich noch produktiver, engagierter und leistungsstärker, wenn er den Ort seiner Tätigkeit frei wählen könnte – egal ob in der Hängematte am Strand von Caparica oder in den Isarauen. Möglichkeiten gibt es viele!


Vielen Dank für das Interview, Anne-Katrin!

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